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Grammatische Kategorie oder kompositionaler 'Bedeutungseffekt'? Am Beispiel nicht kanonischer Verknüpfungen mit sein

  • Ausgangspunkt in der (komparativen) Untersuchung sind nicht-kanonische Verknüpfungen mit sein im Deutschen, die durch das Muster NP+sein+Infinitiv (Martine ist spazieren) repräsentiert sind und in der Literatur mit dem Terminus Absentiv bezeichnet werden. Das Muster NP+sein+Infinitiv - so wird behauptet - weise eine spezifische Bedeutung auf, die in anderen Fällen bspw. durch den Ausdruck weg explizit gemacht werden (Martine ist weg spazieren), aber im sog. Absentiv gerade ohne overte Determination bleibt. Geprägt hat den Terminus Absentiv De Groot (2000). Der Gegenstand selbst ist inzwischen in vielen Arbeiten aufgegriffen worden (cf. Abraham 2007, Haslinger 2007, Vogel 2007,2009). Mit wenigen Ausnahmen wird seit De Groot - so auch in fast allen darauf folgenden Arbeiten - die Auffassung vertreten, dass es sich beim Absentiv um eine (universelle) grammatische Kategorie handle, der als Komplex eine Abwesenheitsbedeutung (als Konstruktionsbedeutung) zugeschrieben wird.1 Im Deutschen insbesondere läge der Absentiv als „Vollkategorie“ vor, die sich immer aus der o.g. Form zusammensetze. Die folgende komparative Untersuchung zum Deutschen, Französischen und Italienischen widerspricht der Sichtweise einer grammatischen Kategorie für den Absentiv und skizziert eine Analyse, aus der sich Struktur und Bedeutung für das Deutsche kompositional ableiten lassen, die auch dem Sprachvergleich Stand hält, bzw. durch den Sprachvergleich Unterstützung erfährt. Unter Betrachtung einer Reihe von syntaktischen und interpretativen Eigenschaften der Instanziie- rungen des sog. Absentivs im Deutschen und den Vergleichssprachen, wird weiter gezeigt, dass einige empirische Behauptungen nicht ausreichend motiviert sind - speziell zum Französischen mit einer sog. Teilkategorie Absentiv. Auf der Grundlage der Finalitätshypothese wird dann auch die Abwesenheitsinterpretation als durch eine Implikatur hervorgerufen erschlossen (cf. Fortmann/Wöll- stein 2013, Wöllstein 2013). Der Blick auf Daten in den romanischen Sprachen Italienisch und Französisch zeigt darüber hinaus, dass die Möglichkeiten der Realisierung der beteiligten grammatischen Komponenten übereinzelsprachlich unterschiedlich beschränkt sind. Im Beitrag wird auch und gerade mit Blick auf informationsstrukturelle Phänomene dafür plädiert, von Verkürzungen abzusehen und weder Phänomene durch Konstruktionsbedeutung zu interpretieren, statt sie konventionalisierfen Lesarten zuzuordnen, noch eine Konstruktionsbedeutung direkt grammatischen Einheiten zuzuweisen, ohne dass die Strukturen ausführlichen grammatischen Untersuchungen unterzogen werden.
  • The paper discusses the so called ‘absentive’. It is shown that the absentive is not a grammatical category but a phenomenon with a conventionalised meaning that can be treated compositionally. We believe that the analysis proposed here must also be applied to the domain of information-structure.

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Metadaten
Author:Angelika WöllsteinGND
URN:urn:nbn:de:bsz:mh39-37402
ISBN:978-3-631-66301-1
Parent Title (German):Informationsstrukturen in Kontrast. Strukturen, Kompositionen und Strategien. Martine Dalmas zum 60. Geburtstag
Series (Serial Number):Cognitio (18)
Publisher:PL Academic Research
Place of publication:Frankfurt am Main u.a.
Editor:Séverine Adam, Daniel Jacob, Michael Schecker
Document Type:Part of a Book
Language:German
Year of first Publication:2015
Date of Publication (online):2015/06/03
First Page:167
Last Page:190
Note:
Der Beitrag ist aus urheberrechtlichen Gründen nicht frei zugänglich.
Dewey Decimal Classification:400 Sprache / 430 Deutsch
Open Access?:Nein
Licence (German):Es gilt das UrhG