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Rektionsschwankungen bei Präpositionen - erlaubt, verboten, unbeachtet

  • Gegenstand der Untersuchung sind semantisch irrelevante Rektionsschwankungen bei entlehnten, sekundären und primären Präpositionen, wobei auch Bildungen berücksichtigt werden, die nur gelegentlich eine präpositionale Funktion ausüben. Ein Überblick über die Normvorgaben zeigt, dass Rektionsschwankungen bei entlehnten Präpositionen weitgehend und bei sekundären Präpositionen selten erlaubt sind, bei primären Präpositionen gänzlich unbeachtet bleiben. Die Normvorgaben, soweit vorhanden, werden dem realen Sprachgebrauch gegenübergestellt. Als Korpus dienen Belege aus Cosmas II (pressesprachliche Texte) und aus dem Internet. Besonderes Augenmerk wird auf Normverletzungen gerichtet: sekundäre Genitiv-Präpositionen mit regelwidriger Dativrektion (z. B. hinsichtlich), sekundäre Dativ-Präpositionen mit regelwidriger Genitivrektion (z. B. gegenüber), sekundäre Akkusativ-Präpositionen mit regelwidriger Genitiv- und Dativrektion (z. B. betreffend), primäre Präpositionen mit regelwidriger Genitivrektion (z. B. seit). Es zeigt sich insgesamt, dass fast alle etablierten Präpositionen mit regelwidrigem Kasus auftreten. Auch nicht-etablierte Präpositionen kommen sehr häufig mit einem Kasus vor, der nicht den etymologischen Strukturverhältnissen entspricht. Derartige Rektionsschwankungen, die sich vor allem aus dem Zusammenwirken von Grammatikalisierungs- und Analogieprozessen erklären lassen, erscheinen somit als Regel- und nicht als Ausnahmefall. Eine statistische Untersuchung pressesprachlicher Texte zeigt exemplarisch anhand von 19 Präpositionen, dass die Prozentsätze normwidriger Kasusbelege jedoch zumeist gering sind. Insgesamt wird ersichtlich, dass im präpositionalen System des Deutschen - überraschenderweise - der Genitiv auf Kosten des Dativs an Boden gewinnt.

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Metadaten
Author:Claudio Di Meola
DOI:https://doi.org/10.1515/9783110217360.3.195
Parent Title (German):Deutsche Grammatik - Regeln, Normen, Sprachgebrauch
Series (Serial Number):Jahrbuch / Institut für Deutsche Sprache (' 2008)
Publisher:de Gruyter
Place of publication:Berlin [u.a.]
Editor:Marek Konopka, Bruno Strecker
Document Type:Part of a Book
Language:German
Year of first Publication:2009
Date of Publication (online):2018/10/09
Publicationstate:Veröffentlichungsversion
Reviewstate:(Verlags)-Lektorat
GND Keyword:Deutsch; Kasus; Präposition; Sprachnorm; Valenz <Linguistik>
First Page:195
Last Page:221
Dewey Decimal Classification:400 Sprache / 430 Deutsch
Leibniz-Classification:Sprache, Linguistik
Linguistics-Classification:Grammatikforschung
Open Access?:Ja
Licence (German):Es gilt das UrhG