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Skandale und Skandälchen kontrastiv: Das Konfix -gate im Deutschen und Englischen

  • Das praxonymbildende Konfix -gate zur Benennung von Skandalen nimmt sowohl im Deutschen als auch im Englischen einen Sonderstatus ein: Es ist in beiden Sprachen eines der wenigen onymischen Wortbildungselemente und hat eine hohe Produktivität. Dennoch wurde das Konfix bislang in der Onomastik nicht, in der Wortbildung nur unsystematisch erforscht und diskutiert. Ausgehend von der Beobachtung, dass -gate nach der politisch brisanten Watergate-Affäre in den 1970er Jahren zunächst für größere politische Skandale, heute jedoch überwiegend zur Benennung trivialer und medial aufgebauschter Skandale verwendet wird (Eierlikör-Gate, Watsch’n- Gate), gehen wir in diesem Beitrag linguistischen Fragen dieser Trivialisierung nach. Dazu fokussiert unsere korpusbasierte Analyse auf die diachrone Entwicklung der verwendeten Erstglieder (Onyme vs. Appellative), sowie die Korre-lation dieser Benennungsstrategien mit unterschiedlichen Skandaltypen (politisch, gesellschaftlich, boulevardesk) und diskutiert Parallelen und Divergenzen zwischen beiden Sprachen. Als Konfix mit besonders hoher Onymizität weist -gate Vorteile gegenüber weniger onymischen Konkurrenzbezeichnungen (-affäre/-Skandal) auf, da auch Ereignisnamen mit appellativischen Erstgliedern eindeutig als Praxonyme erkennbar sind. Appellativische Erstglieder sind wiederum besonders geeignet für triviale Skandale. Direkte Folge der Trivialisierung ist ein deutlicher Typenanstieg bei niedriger Tokenfrequenz. Die semantischen Entwicklungen sind in beiden Sprachen zu beobachten, verlaufen im Deutschen allerdings sichtbar zeitlich verzögert. Die Hauptunterschiede liegen in der deutlicheren Trivialisierung von -gate im Deutschen einerseits sowie einer weniger ausgeprägten Korrelation von Appellativen und Trivialität im Englischen andererseits; letzteres kann darauf zurückgeführt werden, dass Appellative im Englischen vor allem in den 1990ern der Unterscheidung zwischen einer Vielzahl an politischen Skandalen dienten. Insgesamt lassen sich an –gate relevante Fragestellungen sowohl der Onomastik als auch der Wortbildungs- und Lehnwortforschung diskutieren.

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2019/04/01

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Metadaten
Author:Susanne Flach, Kristin Kopf, Anatol Stefanowitsch
URN:urn:nbn:de:bsz:mh39-78988
DOI:https://doi.org/10.1515/9783110547023-011
ISBN:978-3-11-054475-6
Parent Title (German):Sonstige Namenarten. Stiefkinder der Onomastik
Publisher:de Gruyter
Place of publication:Berlin [u.a.]
Editor:Rita Heuser, Mirjam Schmuck
Document Type:Part of a Book
Language:German
Year of first Publication:2018
Date of Publication (online):2018/09/11
Publicationstate:Zweitveröffentlichung
Reviewstate:Peer-Review
GND Keyword:-gate; Deutsch; Englisch; Konfix; Kontrastive Grammatik; Wortbildung
First Page:239
Last Page:268
Dewey Decimal Classification:400 Sprache / 400 Sprache, Linguistik
Linguistics-Classification:Onomastik
Open Access?:Ja
Licence (German):License LogoCreative Commons - CC BY-NC-ND - Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International