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Spielräume des Sprachverstehens. Psycholinguistische Zugänge zum individuellen Umgang mit Phraseologismen

  • Sind Phraseologismen Fertigteile und Versatzstücke, sprachliches fast food, schnell produziert und wenig komplex im Verstehen - oder sind sie besonders aufwändig, Ausdruck eines elaborierten Stils, der einen bestimmten Entwicklungsstand und besondere Kenntnisse erfordert - auch im Hinblick auf eine angemessene Rezeption? Ergeben sich solche Versatzstücke als Nebenwirkungen trivialer sprachlicher Lernprozesse oder sind Phraseologismen das Resultat besonders anspruchsvoller Erwerbsaktivitäten? Liegen die phraseologischen Besonderheiten im Verarbeitungsprozess oder im Zugriff auf die vorbestehende Speicherung? Die linguistische Forschungsliteratur kennt beide Denkrichtungen. Die Psycholinguistik ermöglicht es, einen Teil der Widersprüche aufzulösen. Die folgenden Auffassungen zu den Spielräumen des Sprachverstehens wurden im Rahmen der Psycholinguistik der Phraseologie in den letzten zwei Jahrzehnten empirisch entwickelt und gewinnen inzwischen auch in der definitorisch und textlinguistisch orientierten Phraseologietheorie an Bedeutung. 1. Das Konzept der Konstitution der phraseologischen Bedeutung auf unterschiedlichen Wegen - je nach Kontext und verstehender Person. 2. Die Vorstellung vom Nebeneinander der ein- und mehrdimensionalen Bedeutungskonstitution: der Synkretismus als unmarkierter Fall vs. die besondere Möglichkeit der Wahrnehmung der vollen Ambuigität. 3. Die Auffassung des individuellen Umgangs nicht nur mit der phraseologischen Bedeutung, sondern auch mit den Bedeutungen der phraseologischen Komponenten bei Erwachsenen ebenso wie bei Kindern. Die Spielräume des Sprachverstehens gerade der Phraseologismen sind gross. Ihre Wahrnehmung und Beschreibung lassen sich zusammenführen mit kulturwissenschaftlich begründeten Auffassungen von der Individualität von Verstehensprozesssen, ihrer Freiheit, ihrer Offenheit und ihrem Reichtum auf der einen Seite, aber auch der Oberflächlichkeit von Rezeptionsprozessen auf der andern Seite - jenseits jener text- und intentionsbesessenen Perspektive, die Generationen von Schülerinnen und Lehrerinnen das Leben schwer gemacht hat - ausgedrückt und gleichzeitig karikiert in der stereotypen Ausgangsfrage: Und was hat der Autor uns sagen wollen? Es wird in der empirischen Forschung zur Psycholinguistik der Phraseologie besonders deutlich, was auch in anderen linguistischen Fachbereichen gilt: Eine „ordentliche" semiotische Herleitung der Bedeutung von Phraseologismen, die wörtliche und übertragene Bedeutung sauber getrennt hält und oft als logisch bezeichnet wird, kommt den Bedürfnissen der Analyse entgegen, trifft aber nicht die Vorgänge beim Sprachgebrauch. Die gegenstandskonstituierende Ausgangshypothese für den inneren idiomatischen Kern der idiomatischen Phraseologie, wonach die phraseologische Gesamtbedeutung nicht die Summe der Bedeutungen der einzelnen Wörter sein kann, erweist sich - nicht als falsch, aber als zu eng und hat sich als Hintergrund einer ganzen Reihe von reduktionistischen Auffassungen und damit als problematisch herausgestellt für eine adäquate lebensnahe Beschreibung des Verstehens von Phraseologismen.

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Metadaten
Author:Annelies Häcki Buhofer
URN:urn:nbn:de:bsz:mh39-92547
DOI:https://doi.org/10.1515/9783110622768-008
ISBN:3-11-0177956-3
Parent Title (German):Wortverbindungen – mehr oder weniger fest
Series (Serial Number):Jahrbuch / Institut für Deutsche Sprache (- 2003)
Publisher:de Gruyter
Place of publication:Berlin [u.a.]
Editor:Kathrin Steyer
Document Type:Part of a Book
Language:German
Year of first Publication:2004
Date of Publication (online):2019/09/20
Publicationstate:Zweitveröffentlichung
Reviewstate:(Verlags)-Lektorat
GND Keyword:Deutsch; Idiomatik; Sprachverarbeitung <Psycholinguistik>
First Page:144
Last Page:164
Dewey Decimal Classification:400 Sprache / 400 Sprache, Linguistik
Open Access?:ja
Leibniz-Classification:Sprache, Linguistik
Linguistics-Classification:Phraseologie / Idiomatik
Linguistics-Classification:Psycholinguistik / Kognitive Linguistik
Licence (German):Es gilt das UrhG