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Bild und Wirklichkeit

  • Der vorliegende Beitrag stellt geläufigen semiotischen Alltagstheorien eine komplexere Auffassung von der Rolle der Zeichen in menschlichen Gesellschaften gegenüber. Er unterscheidet zwischen der Welt und der Wirklichkeit der Menschen, indem er die Wahrnehmung der Welt als Produktion von Bildern bestimmt, die, nach außen projiziert, Wirklichkeit entstehen lassen. Während die Welt der Wahrnehmung als Objekt gegenübertritt, nimmt sie dem Verhalten gegenüber den Charakter eines Projektes an. Ein besonderer Teil des Verhaltens der Organismen besteht im Hervorbringen von Zeichen, die entweder Wahrnehmungen abbilden (wie ein Foto) oder Verhalten (wie ein Film) oder Zeichen (so wie die Schrift die gesprochene Sprache imitiert). Einerseits haben Zeichen die Funktion, vorgegebene Wahrnehmungen, Verhaltensweisen und Zeichen selbst kommunizierbar zu machen; auf der anderen Seite dienen sie dazu, noch nicht verwirklichte Wahrnehmungen, Verhaltensweisen und Zeichen zu antizipieren. Durch Zeichen dieser zweiten Art (Schemata) wird nicht nur, wie im gewöhnlichen Verhalten, die Welt, sondern auch die Wirklichkeit zum Projekt. Der Beitrag schließt mit der Erörterung der verschiedenen Typen schematischer Zeichen, die von den Menschen zur Kontrolle ihres Wahrnehmungs-, Verhaltens- und Zeichenraums eingesetzt werden, und fordert den systematischen Ausbau unserer semiotischen Alltagstheorien, damit wir uns in der von uns selbst geschaffenen Wirklichkeit zurechtfinden.
  • This article proposes to replace current semiotic folk theories by a more complex conception of the role signs play in human societies. It distinguishes between the world and the reality of human beings, describing the perception of the world as a production of images that are projected outward and thereby create reality. While perception takes the world as its object, behavior takes it as a project. A considerable part of the behavior of organisms consists in the production of signs which represent perceptions (as in a photograph), behaviors (as in film), or signs (as in writing, which imitates spoken language). On one hand, signs have the function of making perceptions, behaviors, and signs in themselves communicable; on the other, they serve to anticipate perceptions, behaviors, and signs which are not yet real. This second type of signs (schemata) takes reality as a project in exactly the same way in which ordinary behavior takes the world as its project. The article ends with a discussion of the various types of schematic signs used by human beings to control their perceptual, behavioral, and sign spaces, and suggests a systematic improvement of our semiotic folk theories in order to facilitate orientation in the reality created by ourselves.

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Metadaten
Author:Hardarik Blühdorn
URN:urn:nbn:de:bsz:mh39-64133
ISBN:3-86057-940-1
ISSN:0170-6241
Parent Title (German):Zeitschrift für Semiotik
Publisher:Stauffenburg
Place of publication:Tübingen
Document Type:Article
Language:German
Year of first Publication:1998
Date of Publication (online):2017/09/12
Publicationstate:Veröffentlichungsversion
Reviewstate:(Verlags)-Lektorat
GND Keyword:Wahrnehmung; Wirklichkeit; Zeichen
Volume:20
Issue:3-4
First Page:305
Last Page:315
Dewey Decimal Classification:400 Sprache / 400 Sprache, Linguistik
Open Access?:ja
Leibniz-Classification:Sprache, Linguistik
Linguistics-Classification:Semiotik
Licence (German):Es gilt das UrhG