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Vom Nutzen des Fremden für das Eigene : interaktive Praktiken der Konstitution von Gruppenidentität durch soziale Abgrenzung unter Jugendlichen

Using the other for oneself : conversational practices of representing out-group-members among adolescents

  • Die Charakterisierung und Bewertung von sowie die Abgrenzung gegenüber anderen sozialen Gruppen, wie z.B. erwachsenen Kontrollpersonen oder lebensstilistisch divergent orientierten Jugendlichen, bildet einen zentralen Gegenstand der Interaktion in peer-groups männlicher Jugendlicher: An der stilisierenden Repräsentation der Anderen gewinnt die eigene Gruppe ihr Profil ex negativo. In diesem Beitrag werden anhand von Aufnahmen natürlicher Gespräche Verfahren, mit denen Mitglieder einer peer-group männlicher Jugendlicher implizite Selbstdefmitionen durch Alteritätskonstruktionen vornehmen, rekonstruiert. Aufgrund der für die peer-group-Interaktion generell leitenden Orientierung an der Erzeugung von unterhaltsamem Wettbewerb tendiert die Repräsentation des Anderen zur stereotypisierenden Darstellung. Diese ist durch die selektive Darstellung von unangemessenem bis groteskem Verhalten der out-group, durch humoristische bis karikierende Überzeichnung und durch das kollektive expressive Auskosten der negativen Bewertung der Anderen gekennzeichnet. In dieser Form der Abgrenzung von Anderen erzeugt die Gruppe emotional involvierende Interaktionsereignisse, mit denen Gruppen-Konsens und -Kohäsion hergestellt und latent normativ-moralische Kollektiv-Orientierungen reproduziert werden, ohne dass jedoch damit eine explizite, verpflichtende Selbstdefinition der Gruppe verbunden wäre, die sich als potenziell konflikterzeugende Beschränkung der Handlungsspielräume der einzelnen Gruppenmitglieder auswirken könnte. Das Stereotypisieren fremder Identitäten bietet also eine Lösung für die prekäre Balance zwischen Zwängen und Verbindlichkeiten einer gemeinsamen Gruppen-Identität einerseits und dem Verlangen nach individuellen Freiräumen andererseits.
  • Characterizing and evaluating other social groups is a primary issue in verbal interactions within adolescent peer-groups. By stylizing others, the peer-group gains its own identity ex negativo. The paper analyzes instances of naturally occurring peer-group interactions. It is argued that the default-orientation towards interactional competition and entertainment which is distinctive for adolescents’ peer-group interactions leads to a preference of stereotypical representations of the Other. By distancing themselves from the Others, the peer-group creates highly involving and entertaining interactive events which strengthen consensus and emotional cohesion among the group-members. While the practice of stereotyping others tacitly reproduces common moral standards, it simultaneously avoids to impose them explicitly on the individual member. Convening on what we are not and what we do not want to be by stereotyping the concept of Others thus can be seen as a solution for the problem to reconcile the need for a common group-identity and shared normative expectancies combined with the need for individual freedom.

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frontdoor_oas
Metadaten
Author:Arnulf DeppermannORCiDGND, Axel SchmidtGND
URN:urn:nbn:de:bsz:mh39-30994
ISBN:3-8100-3721-4
Parent Title (German):Jahrbuch Jugendforschung
Publisher:Leske + Budrich
Place of publication:Opladen
Editor:Hans Merkens, Jürgen Zinnecker
Document Type:Part of a Book
Language:German
Year of first Publication:2003
Date of Publication (online):2014/10/07
GND Keyword:Gesprächsanalyse; Gruppenidentität; Interaktion; Jugendlicher; Peer-Group
Volume:3
First Page:25
Last Page:56
Dewey Decimal Classification:400 Sprache / 430 Deutsch
Open Access?:ja
Linguistics-Classification:Soziolinguistik
Licence (German):Es gilt das UrhG