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Fischbiologie, Gendershyce und Translobbyisten. Korpusaufbau und erste Analysen zu sprachlichen Praktiken der Polarisierung im Diskurs um Geschlecht und Gender

  • „Zweigeschlechtlichkeit“ versus „Vielgeschlechtlichkeit“, „Gendersprache“ und „Genderverbot“: Der öffentliche Diskurs über Fragen von Geschlecht und Gender ist hitzig und von sprachlichen Praktiken durchzogen, die eine Lagerbildung hervorrufen können. Wie ist es in einer solchen Diskurssituation noch möglich, einen Common ground zu schaffen, im Gespräch zu bleiben und einen fruchtbaren Austausch über Forschung und Wissenschaft zu gestalten? Das Projekt „Konflikt und Konsens in der Wissenschaftskommunikation: Über Geschlecht und Gender streiten“ (KoKoKom, <www.kokokom.de>) analysiert polarisierende sprachliche Praktiken aus linguistischer und rhetorischer Perspektive und ergründet die Rolle von Common ground in der Wissenschaftskommunikation. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen der Initiative „Wissenschaftskommunikation“ gefördert und verknüpft Forschung mit der Entwicklung depolarisierender Diskursformate. Um Polarisierung besser zu verstehen, analysieren Forschungsteams aus der Rhetorik (Lehrstuhl von Olaf Kramer, Universität Tübingen), der Linguistik (Lehrstuhl Susanne Winkler, Universität Tübingen), der Wissenschaftskommunikation und Linguistik (Lehrstuhl Annette Leßmöllmann, KIT) und der Korpuslinguistik (Marc Kupietz, Leibniz-Institut für Deutsche Sprache, Mannheim) ein im Projekt aufgebautes Korpus aus Medienbeiträgen und User-Kommentaren, das ein außerordentlich kontroverses öffentliches Diskursgeschehen kartiert: Als die Biologie-Doktorandin Marie-Luise Vollbrecht im Juli 2022 einen öffentlichen Vortrag zu den „zwei Geschlechtern in der Biologie“ ankündigte, führte das zu Protesten, die ihren Ansatz als trans- und queerfeindlich kritisierten. Der Vortrag wurde von der Universität abgesagt, was wiederum Debatten über Wissenschaftlichkeit und Wissenschaftsfreiheit hervorrief. Auch ein Meinungsbeitrag in der WELT, an dem Vollbrecht beteiligt war und der den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk für seine Darstellung von Geschlecht und Gender kritisiert, führte zu Auseinandersetzungen. Die Kontroverse wurde in vielen traditionellen und sozialen Medien geführt und dient dem Projekt als Fallstudie für die Untersuchung sprachlicher Ausprägung von Polarisierung, etwa durch rhetorische Fragen, Bedeutungsverschiebungen oder Abwertung anderer. Wie Korpora zu solchen Diskursen in Forschungsprojekten wie dem KoKoKom-Projekt konzeptioniert, aufgebaut und ausgewertet werden können, möchten wir im Folgenden zeigen.

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Metadaten
Author:Tim FeldmüllerORCiDGND, Marc KupietzORCiDGND, Andressa CostaORCiDGND, Birgit Rapp, Annette LeßmöllmannORCiDGND, Peter FischerGND, Rameela YaddehigeORCiD
URN:urn:nbn:de:bsz:mh39-139369
DOI:https://doi.org/10.14618/sr-3-2026_feld
ISSN:0178-644X
Parent Title (German):Sprachreport
Publisher:Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS)
Place of publication:Mannheim
Document Type:Article
Language:German
Year of first Publication:2026
Date of Publication (online):2026/07/20
Publicationstate:Veröffentlichungsversion
Reviewstate:(Verlags)-Lektorat
GND Keyword:Diskursanalyse; Geschlechterforschung; Geschlechtergerechte Sprache; Polarisierung; Wissenschaftskommunikation
Volume:42
Issue:3
First Page:10
Last Page:18
DDC classes:400 Sprache / 430 Deutsch
Open Access?:ja
Program areas:Digitale Sprachwissenschaft
Journals:Sprachreport / Sprachreport 42 (2026)
Licence (German):License LogoCreative Commons - Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland