Kontakt als Sprachwandelkatalysator? (Extraterritoriale) Varietäten des Deutschen im Vergleich
- Gemeinhin wird angenommen, dass Sprachkontakt einen erheblichen Einfluss auf Sprachwandel hat bzw. haben kann. In diesem Beitrag nehme ich diesen Konnex von Kontakt und Wandel genauer in den Blick. Dazu werden extraterritoriale Varietäten des Deutschen herangezogen. Berücksichtigt werden dabei drei potenzielle Ursachen für grammatische Innovationen in diesen Settings: a) grammatische Entlehnung aus den Kontaktsprachen, b) verstärkter Ausbau bereits angelegter Wandeltendenzen und c) Dynamiken des Varietätenkontakts. Um Aufschluss über die Relevanz der einzelnen Erklärungsansätze zu bekommen, werden die Phänomene aus einer varietätenvergleichenden Perspektive betrachtet. Auf diese Weise können relevante Einflussgröβen wie die jeweiligen Kontaktsprachen oder die Merkmale des Varietätenkontakts systematisch variiert werden. Zu diesem Zweck kommen unter anderem deutschsprachige Communities in Namibia, Südafrika, Ungarn und den USA zur Sprache. Auβerdem werden Vergleiche mit Kiezdeutsch und dem Standarddeutschen angestellt. Exemplarisch fokussiert wird eine Struktur, die charakteristisch für mehrere Non-Standard-Varietäten ist, das possessive -s (z. B. bei meiner mutters arbeit wa mal n praktikant). Hierbei handelt es sich um eine Struktur, die formal und funktional standarddeutschen Genitiven ähnelt, sich hiervon im Detail aber - z. B. aufgrund der genusübergreifenden Verwendung von -s -unterscheidet. Auf der Grundlage von Akzeptabilitätsurteilen (namibischer und deutscher Gewährspersonen), Korpusbelegen und systematischen Beschreibungen aus der Forschungsliteratur wird dafür argumentiert, dass die konkreten Kontaktsprachen im jeweiligen Setting von untergeordneter Bedeutung sind und dass Phänomene wie das possessive -s auch als gegenwartssprachliche Reflexe historischen Wandels verstanden werden können. Somit unterstützen die herangezogenen Daten die Annahme, dass Sprachkontakt bereits angelegte Wandeltendenzen befördern kann.
| Author: | Christian ZimmerORCiD |
|---|---|
| URN: | urn:nbn:de:bsz:mh39-136732 |
| DOI: | https://doi.org/10.1515/9783112240151-016 |
| ISBN: | 978-3-11-224014-4 |
| ISSN: | 0537-7900 |
| Parent Title (German): | Deutsch im Wandel |
| Series (Serial Number): | Jahrbuch / Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) (2025) |
| Publisher: | De Gruyter |
| Place of publication: | Berlin/Boston |
| Editor: | Annelen BrunnerORCiDGND, Gabriele DiewaldORCiDGND, Sandra HansenORCiDGND, Kristin KopfORCiDGND, Angelika WöllsteinORCiDGND |
| Document Type: | Part of a Book |
| Language: | German |
| Year of first Publication: | 2026 |
| Date of Publication (online): | 2026/02/24 |
| Publishing Institution: | Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) [Zweitveröffentlichung] |
| Publicationstate: | Zweitveröffentlichung |
| Reviewstate: | (Verlags)-Lektorat |
| Tag: | Sprachwandelkatalysator |
| GND Keyword: | Deutsch; Gegenwartssprache; Kontrastive Linguistik; Sprachkontakt; Sprachvariante; Sprachwandel |
| First Page: | 323 |
| Last Page: | 344 |
| DDC classes: | 400 Sprache / 430 Deutsch / 430 Deutsch |
| Open Access?: | ja |
| Licence (German): | Urheberrechtlich geschützt |


