Die Einführung von Englisch als Gerichtssprache in internationalen Handelsstreitigkeiten – Ein kritischer Überblick über einschlägige Initiativen in Europa
- Gerichtsverfahren finden im Allgemeinen in den Amtssprachen der jeweiligen Staaten statt. Seit einiger Zeit gibt es jedoch Bestrebungen in einigen europäischen Ländern, Englisch als Gerichtssprache in internationalen Handelsstreitigkeiten zuzulassen. Der Beitrag befasst sich mit den einschlägigen Initiativen unter drei Aspekten. Im erklärenden Teil wird aufgezeigt, dass internationale Handelsverträge gewöhnlich auf Englisch abgeschlossen werden. In der Regel wird daher ein Gerichtsstand in einem englischsprachigen Land oder ein englischsprachiges Schiedsgericht vereinbart. Länder, die Englisch als Gerichtssprache zulassen, erhöhen die Attraktivität ihrer Gerichte und verbessern somit ihre Position auf dem Markt für Streitbeilegung. Vor diesem Hintergrund dokumentiert der deskriptive Teil die Errichtung von Handelsgerichten in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz, bei denen Englisch als Gerichtssprache vollständig oder zumindest teilweise zugelassen ist. Der normative Teil bewertet die Einführung englischsprachiger Handelsgerichte positiv. Dabei setzt er sich mit drei Einwänden auseinander: dem Illegalitätsargument (englische Verfahren verstießen gegen geltendes Recht), dem sprachpolitischen Argument (englische Verfahren führten zu einem Bedeutungsverlust anderer Sprachen) und dem Qualitätsargument (englische Verfahren führten zu einem Verlust an Präzision). Lediglich das Qualitätsargument wird als stichhaltig und als große Herausforderung angesehen. Der Erfolg englischsprachiger Verfahren wird nicht zuletzt von einer hohen sprachlichen Qualität abhängen. Dies setzt voraus, dass das jeweilige nationale Recht angemessen ins Englische übersetzt wird, die relevanten Rechts- und Rechtserkenntnisquellen auf Englisch verfügbar sind und die an englischsprachigen Gerichtsverfahren Beteiligten sehr gute Rechtsenglischkenntnisse haben.
- Court proceedings are generally conducted in the official languages of the respective countries. However, for some time now, there have been efforts in some European countries to admit English as a court language in international commercial disputes. The paper examines the relevant initiatives from three perspectives. The explanatory part points out that international commercial contracts are usually concluded in English. As a rule, therefore, a jurisdiction in an English-speaking country or an English-speaking arbitration tribunal is agreed upon. Countries that admit English as a court language increase the attractiveness of their courts and thus improve their position in the dispute resolution market. Against this background, the descriptive part documents the establishment of commercial courts in Germany, France, the Netherlands and Switzerland, where English is fully or at least partially permitted as the court language. The normative partassesses the introduction of English-speaking commercial courts positively. It addresses three objections: the illegality argument (English proceedings violate existing law), thelanguage policy argument (English proceedings lead to a loss of importance of other languages) and the quality argument (English proceedings lead to a loss of precision). Only the quality argument is considered valid and represents a major challenge. The success of English-language proceedings will depend not least on a high standard of linguistic quality. This requires that the relevant national law is translated appropriately into English, that the relevant sources of law and legal knowledge are available in English, and that those involved in English-language court proceedings have a very good command of legal English.
| Author: | Manfred HerbertORCiD |
|---|---|
| URN: | urn:nbn:de:bsz:mh39-136299 |
| DOI: | https://doi.org/10.14618/spr_1_2026_her |
| Parent Title (German): | Sprachpolitik & Sprachenpolitik |
| Publisher: | IDS-Verlag |
| Place of publication: | Mannheim |
| Document Type: | Article |
| Language: | German |
| Year of first Publication: | 2026 |
| Date of Publication (online): | 2026/01/30 |
| Publicationstate: | Veröffentlichungsversion |
| Reviewstate: | (Verlags)-Lektorat |
| Tag: | Englisch als Gerichtssprache in Europa; Englisch als Lingua franca des internationalen Geschäftsverkehrs English as a court language in Europe; English as the lingua franca of international business |
| GND Keyword: | Englisch; Europa; Gerichtssprache; Handelskonflikt |
| Volume: | 1 |
| Issue: | 1 |
| First Page: | 38 |
| Last Page: | 66 |
| DDC classes: | 400 Sprache / 400 Sprache, Linguistik |
| Open Access?: | ja |
| Journals: | Sprachpolitik & Sprachenpolitik |
| Licence (German): | Creative Commons - Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland |


