Volltext-Downloads (blau) und Frontdoor-Views (grau)

Adelung und seine Gegner. Zur Bedeutung geschichtsphilosophischer Kategorien für die Sprachkunde der Spätaufklärung

  • Die Rezeption Adelungs vollzieht sich seit einigen Jahren mehr in der Denkfigur fundierenden Erinnerns als in der einer kritischen Rekonstruktion. Bedeutendster Repräsentant der Inanspruchnahme Adelungs für gegenwärtige linguistische Zwecke ist Peter v. Polenz, der erklärt: „Adelung steht […] am Beginn einer Entwicklungslinie der Sprachgeschichtsschreibung, die in unserer postnationalistischen Zeit wirksamer geworden ist als im nationalromantischen 19. Jahrhundert.“ (Polenz 2002, S. 1). Adelungs Herleitung der Sprachgeschichte aus der Gesellschafts- und Kulturgeschichte sei zum Programm der gegenwärtigen Sprachgeschichte im Zeichen der Soziopragmatikgeworden, die die ideologisch aufgeladene und atomistische Sprachgeschichte des 19. Jahrhunderts hinter sich gelassen hat. Der Rückgriff auf Adelung, seine Stilisierung zum Ursprung einer Traditionslinie bei gleichzeitiger Distanzierung von den sprachgeschichtlichen Ansätzen des 19. Jahrhunderts ist typisch für wissenschaftshistorische Schwellensituationen, in denen nicht nur neue Denkstile entwickelt, sondern auch neue Zugriffe auf die Traditionen des eigenen Faches generiert werden, um die gegenwärtige Entwicklung zu legitimieren. Ein Band zum 200. Todestag Adelungs ist der geeignete Ort, solche Bezugnahmen und Traditionskonstruktionen kritisch zu untersuchen. In diesem Aufsatz verfolge ich drei aufeinander aufbauende Ziele: 1) Die Sprachnormendebatte der 1770er Jahre zwischen Adelung und den süddeutschen Sprachkundlern als den in der Adelung-Zeit (1766-1785) zentralen Kristallisationspunkt unterschiedlicher Auffassungen zur Sprache und damit auch zur Frage des „Hochdeutschen“ zu charakterisieren. 2) Anhand dieser Sprachnormendebatte der 1770er Jahre die zentrale Bedeutung geschichtsphilosophischer Kategorien für das Sprachdenken der spätaufklärerischen Sprachkunde zu verdeutlichen. 3) Die Differenz des aufklärerischen Sprachdenkens zum Denkstil der heutigen Sprachwissenschaft deutlich zu machen und von dort aus die Fragezu diskutieren, ob sich Adelung als Bezugspunkt einer gegenwärtigen Linguistik eignet.

Download full text files

Export metadata

Additional Services

Search Google Scholar

Statistics

frontdoor_oas
Metadaten
Author:Joachim ScharlothORCiDGND
URN:urn:nbn:de:bsz:mh39-135541
ISBN:978-3-8233-6401-6
Parent Title (German):Aufklärer, Sprachgelehrter, Didaktiker: Johann Christoph Adelung (1732-1806)
Series (Serial Number):Studien zur deutschen Sprache (45)
Publisher:Narr Francke Attempto
Place of publication:Tübingen
Editor:Heidrun KämperGND, Annette KlosaORCiDGND, Oda VietzeGND
Document Type:Part of a Book
Language:German
Year of first Publication:2008
Date of Publication (online):2025/11/12
Publishing Institution:Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) [Zweitveröffentlichung]
Publicationstate:Zweitveröffentlichung
Reviewstate:(Verlags)-Lektorat
Tag:Johann Christoph Adelung; Sprachgeschichte; Sprachnormendebatte
GND Keyword:Adelung, Johann Christoph; Geschichte; Geschichtsphilosophie; Sprache; Sprachnorm; Spätaufklärung
First Page:89
Last Page:114
DDC classes:400 Sprache / 430 Deutsch / 430 Deutsch
Open Access?:ja
BDSL-Classification:Deutsche Sprachgeschichte / Allgemeines
Linguistics-Classification:Sprachgeschichte
Licence (German):License LogoUrheberrechtlich geschützt