Positionieren
- Positionieren ist Grundbestandteil menschlicher Kommunikation. Wann immer wir miteinander interagieren und kommunizieren, bringen wir uns selbst, andere und die Objekte, über die wir sprechen, in bestimmte Relationen zueinander. Wir bringen also immer auch unsere Haltungen zu bestimmten Themen zum Ausdruck und gestalten unsere Beziehungen zu anderen Menschen beim Kommunizieren. Anders gesagt: Wir können uns nicht nicht positionieren. Demzufolge ist Positionieren als Metapraktik zu verstehen, die beständig in menschlicher Kommunikation mitläuft. Die sprachlichen und sozialen Aspekte unseres Handelns sind also im Positionieren eng miteinander verwoben: Indem wir sprachlich agieren, etablieren wir soziale Verhältnisse. Das Positionierungsspektrum reicht von expliziten Praktiken wie dem Verfassen eines Positionspapiers oder dem Buhrufen eines Publikums, über implizitere Praktiken wie Bewertungsphrasen in Arbeitszeugnissen (z. B. ‚entsprach unseren Erwartungen‘ als Ausdruck für Durchschnittlichkeit) bis hin zu beiläufig mitlaufenden, angedeuteten oder sogar getarnten Praktiken wie Dialektgebrauch (z. B. in bestimmten Alltagssituationen Dialekt sprechen, um Zugehörigkeit her- und darzustellen) oder rechtsextreme Codierungen (z. B. die Verwendung der Zahlenkürzel 18 für Adolf Hitler oder 88 für Heil Hitler gemäß der Reihung der Anfangsbuchstaben im Alphabet). Der Blick auf Sprachgebrauch unter der Perspektive von Positionierungen ist deshalb so interessant, weil er unterschiedliche Aspekte berücksichtigt: Wir beziehen beim Positionieren zu bestimmten Themen oder Aspekten wertend Stellung (,evaluation‘). Wir reklamieren Identitäten für uns oder weisen sie anderen zu (,self and other positioning‘). Wir stellen dabei soziale Beziehungen her bzw. bearbeiten diese (,alignment‘; siehe Abbildung 1 unten). Abzugrenzen ist der hier dargelegte analytische Positionierungsbegriff von einem alltagssprachlichen Verständnis. Letzteres bezieht sich in der Regel auf Äußerungen, in denen explizit Stellung genommen wird, während ersterer weiter gefasst ist und Positionieren als grundlegende kommunikative (Meta-)Praktik versteht.
| Author: | Mark Dang-AnhORCiDGND |
|---|---|
| URN: | urn:nbn:de:bsz:mh39-135338 |
| URL: | https://diskursmonitor.de/glossar/positionieren/ |
| Parent Title (German): | Diskursmonitor |
| Publisher: | Universität Siegen |
| Place of publication: | Siegen |
| Document Type: | Other |
| Language: | German |
| Date of Publication (online): | 2025/10/16 |
| Publishing Institution: | Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) |
| Publicationstate: | Veröffentlichungsversion |
| Reviewstate: | (Verlags)-Lektorat |
| Tag: | Remigration; Woke |
| GND Keyword: | Bürokratie; Identität; Kommunizieren; Massendemokratie; Political Correctness; Radikalisierung; Social Bots |
| Page Number: | 8 |
| Note: | Elektronische dynamische Ressource |
| DDC classes: | 400 Sprache / 400 Sprache, Linguistik |
| Open Access?: | ja |
| BDSL-Classification: | Lexikographie, Wörterbücher |
| Linguistics-Classification: | Lexikografie |
| Program areas: | Lexik |
| Licence (German): | Creative Commons - CC BY-NC-SA - Namensnennung - Nicht kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International |


